Chronik der Proteste gegen das „Tönsberg“ 2007

20.09.: rund 300 Menschen demonstrieren spontan gegen den Laden, der seit dem Nachmittag mit Ware bestückt wird. Am selben Abend beschädigen Unbekannte die Scheiben der Filiale.

22.09.: über 200 Personen demonstrieren nachmittags in der Innenstadt gegen Naziläden. Beim Weg vorbei am »TØNSBERG« setzt die Polizei Pfefferspray ein.

24.09.: es versammeln sich am frühen Abend erneut ca. 250 Antifas, die durch die Innenstadt demonstrieren. Die Scheiben nehmen in der Nacht erneut Schaden.

25.09.: die (ehemaligen) Scheiben des Ladens werden durch massive Holzplatten geschützt. Security schließt für einzelne und derzeit seltene
Kunden den Laden jeweils auf und zu.

27.09.: Etwa 30 Nazis versuchen, einen JUSO-Infostand vor dem Laden zu attackieren.

29.09.: Spontandemo am Nachmittag mit rund 200 Menschen. Die Polizei fuhr einen ihrer Kollegen um, Zivis waren am Start. Von außen ist der Laden mittlerweile nicht mehr erkennbar.

03.10.: Bündnisdemo mit bis zu 2.500 Teilnehmenden, vorbei an »UNTERGRUND« und »TØNSBERG«

8. – 12.10.: Infostand-Woche von Grüner, Linker Jugend und Jusos Leipzig. Große, positive Resonanz, Postkartenaktion an Vermieter gestartet.

10.10.: Aktion am »TØNSBERG«, bei der ein Container entzündet wird.

16.10.: Das gruppen- und partei-übergreifende „Ladenschluss“-Aktionsbündnis gegen Rechts konstituiert sich.

21.10.: Beim Fußball-Spiel 1. FC Lok Leipzig II vs. Roter Stern Leipzig Erste Herren werden Thor-Steinar-tragende Ordner von Lok gesichtet. Die Öffentlichkeit bleibt von diesem Spiel ausgeschlossen. Gefahr gehe nicht von Teilen der politisch rechts stehenden Lok-Fans sondern von den antirassistischen „Roten Sternen“ aus, so der Tenor.

23.10.: Die Leipziger Volkszeitung berichtet über das „Scheitern der Verhandlungen zwischen der Immobilienfirma Immovaria und der Mediatex GmbH“. Ein „zäher“ Rechtsstreit wird in Aussicht gestellt.

26.10.: Spontandemo mit ca. 60 Teilnehmenden. Die Holzverkleidung des »TØNSBERG«, wird bearbeitet. Die Polizei trifft erst 10 Minuten nach Abzug der Antifaschisten ein.

01.11.: Kreative Aktion mit Kreide und Musikinstrumenten und ca. 60 Teilnehmenden. Nach der Gestaltung der Außenfassade des »TØNSBERG«, folgt eine angemeldete Spontandemo durch die Innenstadt und den Hauptbahnhof.

09.11. Rund 100 Menschen nehmen an der Kundgebung „Kein Vergeben und Vergessen“ in unmittelbarer Nähe des Toensberg teil. Zwei Redebeiträge widmen sich dem Gedenken an die Opfer der Shoa wie der Gefahr aktuellen Antisemitismus und Rechstextremismus in Leipzig und darüber hinaus. Die Bündnis-Kundgebung will Erinnern – an das singuläre Verbrechen an Juden und Jüdinnen im Nationalsozialismus und warnen: Nie wieder darf so etwas geschehen!

15.11. In der Sitzung des Leipziger Stadtrates wird eine Anfrage zu Thor Steinar, Tönsberg und Lok Leipzig beantwortet. Die Stadt äußerte ihr „Bedenken“ in Bezug auf die Eröffnung des Ladens und machte sich laut eigenen Aussagen gegenüber dem FC Lok für mehr Aufmerksamkeit im Hinblick auf rechte Symbolik im Stadion stark.

17.11. Spontanaktion, bei der laut Berichterstattung der LVZ ca. 50 Personen den Laden stürmten und verwüsteten. „Die Randalierer warfen Kleiderständer um, rissen Holzverkleidungen ab, kippten Brei auf die Verkaufsauslage und zerstörten einen Teil der Inneneinrichtung“, heißt es in der Lokalpresse.

24.11. 24.11.2007 Das Ladenschluss-Bündnis ist unter dem Motto BEAT UP – Tønsberg DOWN vor dem „Tønsberg“ präsent. An dem musikalischen Proteste, der über 4 Stunden andauerte, nahmen ständig zwischen 70 -100 Leute und insgesamt ungefähr 300 Leute teil, trotz gefühlter 10° C Minus. Der Laden schließt, vorbei laufende Menschen zeigen sich aufgeschlossen für das Anliegen der Kundgebung.

Am selben Tag berichtet die Leipziger Volkszeitung, dass der Leipziger StudentInnenclub Moritzbastei das Tragen der Marke Thor Steinar in ihren Räumlichkeiten untersagt.
Dazu aus dem Blog der MB zitiert: Keinar trägt Thor Steinar: Jedenfalls nicht bei uns. Ab sofort. Aufgrund aktueller Vorkommnisse in unserem Hause haben wir heute beschlossen, dass Gästen, die nicht auf das Tragen von Kleidung der Marke Thor Steinar verzichten können oder wollen, der Zutritt zu unseren Veranstaltungen verweigert werden kann. Unsere Security wird die neue Hausordnung ab sofort anwenden. (http://www.basteiblog.de/?p=686 – 12.11.2007)

Ende November: Das „Untergrund“ in der Leipziger Kolonnadenstraße, an dem der Betreiber des rechten Labels Front Record (Wurzen) beteiligt war, hat geschlossen. Auch hier wurde Thor Steinar-Bekleidung und zahlreicher anderer neuer Nazi-Life-Style-Stuff geführt.

01.12. Erste Gespräche in Läden ums Tönsberg. Neben Desinteresse gibt es auch positive Resonanz. Die Ablehnung des sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindlichen Naziladens scheint konsensual. Der Vermieter der an das „Goldene Kugel“-Haus angrenzenden Einkaufspassage hält seine MieterInnen offenbar auf dem Laufenden, was die Schritte der Immovaria betrifft.

7./.8.12. Am Tönsberg werden erste Plakate mit der Aufschrift „Ladenschluss für Nazis“ gesichtet.

11.12. Das Ladenschluss-Bündnis antwortet auf das Schreiben des OBM Burkhard Jung. Dieser hatte in seiner Antwort auf den Offenen Brief vom November bekundet, dass er etwas gegen das „Tönsberg“ hat, sowie die Schritte zur Beendigung des Mietverhältnisses begrüßt und, soweit möglich, begleitet. In diesem Schreiben allerdings wird das Ladenschluss-Bündnis in die Reihe von Initiativen „gegen extremistische und insbesondere rechte Strukturen“ eingeordnet. Auch dem Vorschlag mögliche Einnahmen, die der Stadt durch die „Thor-Steinar“-Filiale zufließen, in antifaschistische Projekte zu stecken, will Burkhard Jung nicht folgen. Im Antwortbrief des Bündnisses heißt es „Unser konkretes Problem sind […] nicht allgemein „Extremisten“, sondern Menschen mit neonazistischen Einstellungen, welche die Gleichwertigkeit der Menschen bestreiten und Personen, die in Ihr Feindschema passen, mit Gewalt bedrohen, indem sie ihre menschenverachtende Ideologie für alle sichtbar und für fast jeden auch verständlich in die Öffentlichkeit tragen.“ Und „Bei unserem Vorschlag, die städtischen Einnahmen aus dem Tønsberg Laden antifaschistischen Initiativen zukommen zu lassen, handelte es sich um die Forderung nach einer symbolischen Geste, vergleichbar der des „Holiday Inn“-Hotelbetreibers in Dresden […]“.

15.12. In Leipzig fand – wie auch in Dresden, Freiberg, Karlsruhe und Neubrandenburg – eine Aktion im Rahmen des Bundesweiten Aktionstages gegen Thor Steinar statt. Acht Stunden hieß es „Raven gegen Thor Steinar“, um die 50 Leute hielten sich ständig auf der Veranstaltung auf, insgesamt waren es mehrere hundert. Der Laden selbst machte gegen 14:00 Uhr zu – Ziel erreicht.

18.12. Die Leipziger Volkszeitung berichtet, dass die Immobilienfirma Immovaria beim Berliner Landgericht Räumungsklage gegen das „Tönsberg“ in Leipzig eingereicht habe. Wie in Magdeburg wird wohl darauf abgestellt werden, dass die Mediatex-GmbH nicht hinreichend über ihr Sortiment informiert hat. Vor dem Beschreiten des wohl lange andauernden Rechtsstreites hatte „Immovaria“ versucht, eine gütliche Einigung zu erwirken, was allerdings scheiterte.

21./22.12. Plakate und Graffiti mit der Message „Ladenschluss für Nazis“ zieren das „Tönsberg“.

22.12. Mit „Satire gegen Thor Steinar“ waren AntifaschistInnen wiederum in der Nähe des Tönsberg präsent. Um die hundert Menschen nahmen an der alternativen Kundgebung teil, wiederum wurden zahlreiche Flyer verteilt, Gespräche geführt und Postkarten unterschrieben, mit denen individuell gegen das „Tönsberg“ protestiert wird. Der erwartete Weihnachtsmarktbesuch von Nazis aus Leipzig und Umgebung blieb aus. Nach Auflösung der Kundgebung kam es zu einer Rangelei zwischen einem Antifaschisten und der Polizei, bei der Ersterer kurzzeitig in Gewahrsam genommen und leicht verletzt wurde.