Im Osten nichts Neues. Gegen Nazis und rechte Alltagskultur.
Aufruf für eine antifaschistische Kampagne im Leipziger Osten

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+++ Antifaschistische Demonstration am Sonnabend, den 24. März um 12 Uhr Friedrich-List-Platz +++ Podiumsdiskussion zu den Hintergründen der Naziaktivitäten und wirksamen Strategien zur Bekämpfung von Nazis und Alltagsrassimus am 21.03. um 18:30 Uhr im 4Rooms +++

Auf Grund der zahlreichen Aktivitäten von Neonazis und anderen Rechten sowie der Ansiedlung des Ladengeschäfts „Fighting Catwalk“ im Leipziger Osten haben sich verschiedene lokale Akteure und das Leipziger Ladenschlussbündnis zusammengetan, um dem rechten Alltag entgegenzutreten. Gemeinsam rufen wir zu einer antifaschistischen Kampagne und Offensive für das Jahr 2012 auf – als erster Höhepunkt findet am Sonnabend, den 24. März (Start 12 Uhr, Friedrich-List-Platz) eine Demonstration im Leipziger Osten statt. Zuvor findet am 21.03. eine Podiumsdiskussion zum Anlass der Demonstratiom um 18:30 Uhr im 4Rooms statt. Im Anschluss an die Demonstration am 24.03. gibt es ein Straßenfest mit Musik, Kultur und Infoständen im Lene-Voigt-Park.


+++Neuigkeiten rund um „Im Osten nichts Neues+++

Bericht und Presseartikel zur Demo am 24.03.2012

Über unsere Demonstration vom 24. März ist inzwischen ein Bericht erschienen. Außerdem gibt es Presseartikel samt Fotogalerie.

Radiointerview zur Demonstration

Auf Radio Blau wurde ein Interview mit uns geführt. Das ganze Interview könnt ihr auf den Seiten von freie-radios.net herunterladen oder direkt anhören.

Unser Aufruf in russischer Sprache

Den Aufruf für die Demonstration „Im Osten nichts Neues“ am 24.03. gibt es jetzt auch in Russisch.

Pressemitteilung vorhanden

Am 14.03.2012 haben wir eine Pressemitteilung zu der Podiumsdiskussion und Demonstration im Rahmen von „Im Osten nichts Neues“ versendet. Diese könnt ihr hier ansehen und weiterleiten.

Podiumsdiskussion am 21.03. um 18:30 Uhr im 4 Rooms

In Vorbereitung auf die Demonstration am 24.03. und zur Analyse der Geschehnisse findet am 21.03. um 18:30 Uhr im 4Rooms eine Podiumsdiskussion statt. Informationen dazu finden sich hier.

Mobilisierung

Es gibt Flyer und Plakate zum Download. Für eure Blogs, Websites und Profile gibt es Banner – Im Hochformat und Querformat

Facebook

Ihr könnt Fans bei unserer Facebookseite werden.

Jingle zur Demo

Hier gibt es den Jingle zur Demonstration.

Aufruf in Englisch

Inzwischen gibt es den Aufruf auch in Englisch


+++Aufruf zur Demonstration am 24.03.2012+++

Im Osten nichts Neues. Gegen Nazis und rechte Alltagskultur.

Im Frühjahr 2008 zogen hunderte Menschen durch den Leipziger Osten und demonstrierten gegen die vorhandenen Nazistrukturen und die bis dato mehrheitlich untätige Bewohner_innenschaft.
Damals gelang es, den organisierten Nazis Einhalt zu gebieten. Mit dem Zuzug von Studierenden und linksalternativen Menschen veränderte sich das Klima im Stadtteil. Außerdem entstanden in dieser Zeit im Osten verschiedene Orte für linksalternative Kultur- und Politikprojekte und Personen.
Doch spätestens seit Herbst 2011 bekommt das Bild vom Wandel im Leipziger Osten einen deutlichen Riss.

Mittel zum Zweck?

Zwischen November 2011 und Februar 2012 nutzten Personen, die der Leipziger Naziszene angehören, eine Wohnung in der Langen Straße 15 (Zentrum-Ost) als semi-öffentlichen Party- und Veranstaltungsraum. Darunter waren bekannte Gesichter der Leipziger NPD sowie der gewaltbereiten, rechtsorientierten Fußball-Fanszene, Akteure die bis 2011 das NPD-Zentrum in der Odermannstraße in Lindenau als Domizil nutzten.
Bei Feiern im Erdgeschoss der Langen Straße 15 am Abend des 9. Dezember 2011 und in der Silvesternacht kam es zu massiven verbalen Beleidigungen und Sachbeschädigungen, was die Anwesenheit der neuen Nachbarn für die Anwohner_innen der gesamten Langen Straße zur realen Bedrohung machte.
So geriet auch das translesbischwule Projekt „RosaLinde“, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft befindet, in den Fokus der Nazis. Pöbelnd und „Sieg Heil“-rufend provozierten diese vor deren Räumlichkeiten.

Versuche von verschiedenen Seiten, Kontakt mit der Eigentümerin des Hauses aufzunehmen, scheiterten und blieben unbeantwortet. Erst der Druck der Öffentlichkeit schien der Eigentümerin eine Reaktion zu entlocken. Nach Pressemitteilungen und mehreren Berichten in verschiedenen Medien blieben oben genannte Personen der Langen Straße fern.

Offensichtlich ist der Eigentümergesellschaft „Kling-Group“ ein guter Ruf in der Öffentlichkeit wichtiger, als die Sicherheit der Bewohner_innen in von ihr vermieteten Häusern. Der gesamte Verlauf der Auseinandersetzung mit den Nazis und die Verweigerungshaltung der Eigentümerin lassen den Verdacht aufkommen, dass die Nazis hier als Mittel zur Entmietung genutzt werden sollten.

Herrenausstatter!

Zeitgleich – am 4. Dezember 2011 – eröffnete im Stadtteil Leipzig-Reudnitz, im Täubchenweg 43b, ein Geschäft mit dem Namen „Fighting Catwalk“. Das Geschäft ist nach einem gleichnamigen Online-Versandhandel für Kleidung und Kampfsport-Utensilien benannt. Geschäftsführer des Ladens ist Christian Pohle, der sich im gewaltbereiten Fanumfeld des 1. FC Lok Leipzig bewegt.
Der kampfsporterprobte Christian Pohle kämpfte in der Vergangenheit auch für den Boxverein „Fighting Fellas Wurzen“. Einzelne Mitglieder des Vereins waren 2009 an einem gewaltsamen Überfall auf Spieler und Fans des Roten Stern Leipzig in Brandis beteiligt.
Das Sortiment des „Fighting Catwalk“ umfasst, neben einschlägigen Hooligan-Marken, vor allem Waren der bei Nazis beliebten Kleidungsmarke „Thor Steinar“. In den Kollektionen der Marke finden sich deutliche Anspielungen auf die NS-Geschichte und den deutschen Kolonialismus. Christian Pohle stellt mit seinem Ladengeschäft ein Stück Infrastruktur für die lokale Naziszene und bündelt und vernetzt einschlägiges Klientel.

Im Osten nichts Neues

Bereits in der Vergangenheit gab es im Leipziger Osten gehäuft rassistische Übergriffe, Nazidemonstrationen und Überfälle auf linke Wohn- und Kulturprojekte. Der Stadtteil galt als Hauptaktionsfeld der sich reaktivierenden Naziszene. Im Winter 2008 griffen Mitglieder der Freien Kräfte Leipzig mehrfach ein Wohnhaus in der Holsteinstraße an und versuchten so im Stadtteil eine Drohkulisse aufzubauen.
Weitere Aktionen durch Nazis gegen Menschen, die nicht ins rechte Weltbild passen, folgten und wurden durch die Anwohner_innen größtenteils geduldet.
Als Gegenpol zu diesen Widerlichkeiten gründete sich das linke Ladenprojekt Atari, welches seitdem immer wieder Zielscheibe von Naziangriffen ist.
Damals gelang es, organisierte Strukturen zu verdrängen, jedoch ist und war das noch kein Grund zum Feiern, da sich rechtes Gedankengut und rechte Alltagskultur beständig halten. Die Demonstrationen anlässlich eines Sexualmordes an einer Minderjährigen im Sommer und Herbst 2008 zeigten, wie anschlussfähig rechte, autoritäre Einstellungen sind. Zahlreiche Stadtteilbewohner_innen demonstrierten damals Hand in Hand mit organisierten Nazis unter dem Motto: „Todesstrafe für Kinderschänder“.
2010 wurde in Volkmarsdorf zur Gründung einer Bürgerwehr gegen die im Stadtteil lebenden Roma aufgerufen. Mit dem Aufruf zeigten sich die antiziganistischen Ressentiments und Anfeindungen von breiten Teilen der Bewohner_innenschaft ganz offen und wurden mit tatkräftiger Unterstützung der NPD auf die Spitze getrieben.
Diese Einstellungen drückten sich auch in den Ergebnissen der letzten Wahlen aus: Im Leipziger Osten konnte die NPD zu den Kommunal- und Landtagswahlen 2009 die stadtweit besten Ergebnisse erzielen.

Keine Atempause

Wir haben uns zusammengeschlossen, um den aktuellen Entwicklungen etwas entgegenzusetzen: Wir finden es zum Kotzen, dass Ladengeschäfte und andere Räume ohne Bedenken an Nazis vermietet werden. Wir finden es unerträglich, dass rechte Ideologien gesellschaftsfähig sind. Wir nehmen es nicht länger hin, dass sich Stadteilbewohner_innen in Nazidemonstrationen einreihen oder wegschauen, wenn Menschen diskriminiert werden. Wir wollen nicht länger in einem chauvinistischen, autoritären Umfeld leben.

In den letzten Jahren rückte das Nazizentrum in der Odermannstraße in Leipzig-Lindenau zurecht in den Fokus der Öffentlichkeit und der antifaschistischen und zivilgesellschaftlichen Aufmerksamkeit. Hier fanden zahlreiche Aktionen gegen Nazismus und Diskriminierung statt. Diese Aktivitäten wollen wir nun auch in den Osten der Stadt tragen.

Uns eint das Ziel eines angstfreien Zusammenlebens, das Ziel ein Alltagsklima zu schaffen, das frei von Rassismus, Antisemitismus, Homophobie und Sexismus sowie jeder Form von Ausgrenzung und Abwertung von Menschen ist. Im Leipziger Osten, wie überall.

Wir lassen uns diese Zustände nicht länger bieten.

Deshalb: Kommt zur Bündnisdemonstration am 24. März 2012!

12 Uhr, Friedricht-List-Platz


+++Call for the demonstration in English +++

Nothing new out East. Against Nazis and daily right-wing culture

It’s February 2008 and thousands of people march through the East of Leipzig and demonstrate against the active Nazi structures as well as the hitherto more or less passive neighbourhood.
Back then, organised Nazis activities were successfully curbed. Students and alternative left-wing people moving in to the neighbourhood effectively shifted the political climate. This was also the time during which various establishments for alternative left-wing came into being, offering space for people and projects of cultural and political nature.
Yet in the autumn of 2011 at the latest, the image of change in Leipzig’s East grew one big crack.

Means to an end?

Between November 2011 and February 2012, members of Leipzig’s right-wing scene made use of a flat in the housing building at Lange Straße 15 (Zentrum-Ost) as a semi-official venue for parties and other events. Among those seen on the premises were notorious faces from the right-wing political party NPD as well as members of the violent right-wing football hooligan scene.
On a number of occasions during festivities in the said flat, gross verbal insults, shouts of ‘sieg heil’ (hail victory, a nazi interjection) and material damage were witnessed – a real and present menace for the other inhabitants of the building as well as for the other neighbours, among which figures the local centre for lesbians, gays, transsexuals and intersexuals RosaLinde.
Ignoring all enquiries into the situation in her property, it wasn’t until enough public pressure was exerted by numerous reports in various media that the landlady finally offered a reaction: the aforementioned individuals have since remained clear of the Lange Straße. The insecurity and suspicion, that Nazis were used here as a means of easing the termination of various leases, remains…

Outfitters for men!

Simultaneously, on 4 December 2011, a shop named Fighting Catwalk opened its doors at Täubchenweg 43b in Reudnitz. The shop bears the same name as an online-shop for clothing and martial arts accessories. Its manager is Christian Pohle, known for hanging out with and around the more violent fans of the 1. FC Lok Leipzig football club.
Other than some well known hooligan clothing brands, Fighting catwalk’s product line mainly includes goods from a favourite brand in the Nazi scene, namely Thor Steinar. The collections offered that bear this brand name include evident allusions to national socialist history and German colonialism. Christian Pohle thus provides a pillar for the local Nazi infrastructure while focussing and interconnecting its corresponding clientele.

Nothing new out East

In the past, Leipzig’s East has repetitively been the stage for assaults of racist nature, Nazi demonstrations, as well as attacks against left-wing residential and cultural projects. This part of town was seen as the main playing field for the re-emerging Nazi scene.
The pervasiveness of right-wing ideology and daily culture was proven once more on the occasion of demonstrations in the aftermath of the sexually-motivated murder of a minor during the summer and autumn of 2008. Numerous inhabitants of the neighbourhood demonstrated hand in hand with organised Nazis under the slogan “Todesstrafe für Kinderschänder” (Death penalty for child molesters).
In 2010, residents of Volkmarsdorf called out for the constitution of a vigilante group against the Romas who lived in the neighbourhood. The resentment and hostility carried by a large number of inhabitants came out to broad daylight. These feelings also found echo in the last municipal and State elections in 2009: the NPD in the East of Leipzig were rewarded with their city-wide best results.

No time to pause

We’ve come together to oppose the current developments: we find it despicable that commercial and other spaces are leased to Nazis without further thought. We find it unbearable that right-wing ideology can enjoy any amount of social acceptability. We will no longer tolerate that neighbours fall in with Nazi demonstrations or even turn a blind eye to the discrimination of other fellow humans. We no longer wish to live in a chauvinistic and authoritarian environment.

The goal of common living, free of fears, is what unites us; the aim is to create a climate where the daily life can be free of racism, anti-Semitism, homophobia and sexism, as well as of the exclusion and abasement of other human beings, in Leipzig’s East and everywhere.

We will no longer put up with these circumstances.

Therefore: come and join us for the allied demonstration on 24 March 2012 at 12:00, starting at Friedrich-List-Platz!



На востоке без изменений.
Выступления против неонацистов и правых настроений.
Призываем к участию в антифашистской кампании на Востоке Лейпцига.

Весной 2008 года сотни людей вышли на улицы Восточного района Лейпцига, с тем чтобы выступить против неонацистских организаций и пассивности местного населения в их отношении.
Эти акции прошли с успехом.
С переездом в эту часть города студентов и левонастроенной молодёжи изменился и здешний климат.
Кроме того, за это время здесь возникли различные клубы для левых альтернативных культурных и политических проектов и людей.
Но к сожалению, в сентябре 2011 года такие тенденции в Восточном Лейпциге получили надлом.

Мужская мода!
4 декабря 2011 года в другой части города – в Ройднице – по адресу Täubchenweg 43b открылся магазин под названием „Fighting Catwalk“. То же название имеет интернет-магазин по продаже одежды и приспособлений для борьбы.
Директор магазина Кристиан Поле вращается в кругах агрессивно настроенных фанатов Лейпцигского футбольного клуба 1. FC Lok Leipzig. В сортименте магазина – наряду с известными хулиганскими марками товары популярной среди неонацистов марки „Thor Steinar“. В коллекциях этой марки имеются намёки на историю национал-социализма и немецкий колониализм.
Таким образом, Кристиан Поле поддерживает местную националистскую инфраструктуру, объединяя соответствующую публику.

На Востоке – ничего нового

В Восточном районе Лейпцига уже в прошлом нередко имели место расистские нападения, демонстрации неонацистов, а также посягательства на левые жилые и культурные проекты. Таким образом, этот район считался центром вновь ожившего националистического движения в городе.
Многочисленные жители прошли одним строем с неонацистами под лозунгом: «Смертная казнь насильникам детей».
В 2010 жители Фолькмарсдорфа призывались организовать гражданское сопротивление в отношении живущих в этом районе цыган. Этот призыв однозначно показал враждебность и агрессивность широких масс населения по отношению к цыганам. Подобные настроения подтвердились и по итогам последних выборов в местные органы управления в 2009 году, когда НДПГ (Национал-демократическая партия Германии) достигла лучших результатов по городу именно в Восточном районе Лейпцига.

Без передышки

Мы объединились с целью противостоять такому развитию. Нам противно видеть, как магазины и другие помещения бездумно сдаются в аренду неонацистам. Мы не выносим то, что правые идеологии принимаются обществом. Мы не собираемся терпеть участие городского населения в неонацистских демонстрациях, так же как и их равнодушие к дискриминации людей. Мы не желаем жить среди шовинизма и авторитаризма.

Наша общая цель – это мирное сосуществование каждый день: без страха, без расизма и антисемитизма, без гомофобии, сексизма и любых других форм изоляции и унижения людей – неважно где, а на востоке Лейпцига в частности.

Настоящее положение дел нас категорически не устраивает.

Вас тоже! – Тогда приходите на демонстрацию 24 марта 2012!